Erich Kästner versus Murakami
16/01/2012 Hinterlasse einen Kommentar
Zwei ganz ganz tolle Schriftsteller.
Die Überschrift hätte ich besser so gewählt: Fabian gegen Gefährlich Geliebte/Naokos Lächeln/Erzählungen
Denn nur das habe ich bereits gelesen.
Fabian, die Geschichte eines Moralisten: Bin bei ca. Seite 140/240. Komisch, dass ich dafür so lange brauche. Nach einem Kapitel ist für mich meistens schon Schluss und das sind nur 10-15 Seiten.
Bei Murakami war das anders. Da las ich und hatte überhaupt keinen Überblick über die Seitenanzahl, weil ich nie drauf sah, und zwar weil ich so versunken war in die Welt, die sich mir ab der ersten Seite eröffnet hatte.
Warum ist das so? Weil Kästner einen älteren Schreibstil hat, einen schwierigeren? Oder weil es kein zeitgenössischer Autor ist, was es auch schwieriger macht? Oder gar, weil ich mich nicht richtig für das Buch interessiere, obwohl es sehr gut ist?
Klar, Fabian ist schon ein ehrlicher und direkter Typ. Aber irgendetwas nervt mich, irgendetwas an dem Buch, das mich zu beeindrucken versucht und deshalb unreif auf mich wirkt, ich kann nichts dagegen machen.
Oder liegt es gar nicht daran und ich kann mich einfach nur besser mit den etwas nachdenklicheren Akteuren bei Murakami identifizieren?
Fragen über Fragen. Doch in mir liegt die Wahrheit, ich muss mich nur lange genug darüber befragen.
Irgendein Gefühl sagt mir, warum ich das Buch Fabian nicht so gerne mag wie Murakami’s im Allgemeinen.
Es hat selbst etwas mit Gefühlen zu tun. Ich finde in Fabian keine Tiefe, keine Gefühle in der Art wie ich sie zum Beispiel bei Hajime sehe, der auch mal gegen sein Gehirn handelt und andere verletzt, weil ihm sein Gefühl sagt, dass er es tun muss. Hajime ist also gefühlsbezogener und vertraut mehr darauf, lässt sich mehr davon leiten, versucht auch aktiver seine Gefühle zu ergründen und ihnen treu zu bleiben. Ob Fabian das auch macht, kann ich einfach nicht herausfiltern. Es hat keine so große Wichtigkeit in Kästners Buch. Aber ich finde es sehr sehr wichtig. Darum mag ich Murakami’s Bücher lieber als dieses eine von Kästner. Intuitiv würd ich sagen, dass ist eine Erklärung, die meinem Gefühl in befriedigender Weise gerecht wird.
Doch trotzdem weiter:
Vielleicht bin ich zu faul mich bei Kästner richtig anzustrengen. Bei Kästner sind nämlich mehr Personen dabei, die man nur eher selten sieht oder die nicht ganz so wichtig für Fabian scheinen. Sie sind halt einfach da und spenden mit ihren Handlungen Unterhaltung. Da verliert man gerne mal die Motivation weiterzulesen, weil es für das Gesamtbuch ja eh keine Auswirkung hat, sondern nur der momentanen Bespassung geht. Wenn es wirklich so eine große Bespassung für mich wäre, wäre das ja auch in Ordnung. Ist es aber meist nicht.
Bei Murakami will ich immer weiterlesen. Es sind keine großen Nebengeschichten drin, zumindest ist mir das nicht stark aufgefallen. Das also bestimmt auch ein Grund, dass Murakami mir leichter zu lesen scheint.
So und jetzt will ich das Ganze mal darauf belassen. Meine Erklärungen sind nicht zur letzten Klarheit ausführlich, das sehe ich ein. Doch man versteht doch im Grunde meistens, was ich meine. Und darum geht es doch. Ein Gefühl bekommen, verstanden zu haben. Etwas tiefes, das man erst konkretisieren beziehungsweise artikulieren muss, um damit vor Gericht zu gehen. Ein Gefühl eben.